'Particle Fever' im Doppelpack

Am letzten September-Wochenende feierte die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz in Sitten ihren 200. Geburtstag. Für vier Tage machte die Wissenschaftstournee 'Forschung live' in der Kantonshauptort des Wallis Halt. Ein Programmpunkt der Jubiläumsveranstaltung war die zweimalige Aufführung des Dokumentarfilms 'Particle Fever' über die Entdeckung des Higgs-Bosons am CERN.

Particle Fever

Um 8 Uhr hatten sich gut 400 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in der Aula des Lycée-Collège des Creusets (LCC) versammelt, um den Film des US-Regisseurs Mark Levinson in der französischen Voiceover-Version anzuschauen. Während der Filmvorführung herrschte gespannte Aufmerksamkeit. Auf die Vorführung folgte eine anderthalbstündige Podiumsdiskussion unter der Leitung des Erwachsenenbildners Marc Turiault. Als Turiault die Schülerinnen und Schüler fragte, ob ihnen der Film gefallen habe, erntete er ein praktisch ausnahmsloses Ja.

Darauf tauschten sich unter Turiaults Gesprächsleitung die CERN-Physikerin Johannna Gramling und der Philosoph Dr. Michel Siggen (Lehrer am LCC) über den Dokumentarfilm und das Weltbild der modernen Physik aus. Auf besonderes Interesse bei den Zuhörern stiess unter anderem die Diskussion über den Ursprung des Universums. Moderator Turiault wollte von den Schülerinnen und Schüler wissen, welcher Fachperson sie am ehesten zutrauten, die Entstehung der Welt zu erklären: dem Physiker, dem Theologen oder dem Philosophen? Die Schüler stimmten fasst einhellig für den Physiker, während nur Einzelstimmen auf den Theologen und den Philosophen entfielen.

Am Abend wurde der Film 'Particle Fever' dann ein zweites Mal aufgeführt, diesmal für die breite Öffentlichkeit. Der Event war zuvor an den 'Forschung live'-Ständen mit Flyern beworben worden, ebenfalls mit einem Inserat im 'Nouvelliste'. Gegen 150 Personen quer durch die Generationen folgten der Einladung und fanden sich in der Aula des LCC ein.

Wie am Vormittag folgte auf die Vorführung des Dokumentarfolms ein interdisziplinäres Podiumsgespräch, diesmal von der Journalistin Elisabeth Chardon ('Le Temps') geleitet. Die Physik vertrat auf dem Podium Prof. Olivier Schneider, Teilchenphysiker an der ETH Lausanne und aktueller Präsident von CHIPP, der Dachorganisation der Schweizer Teilchenphysik-Institute. Als Konterpart sassen ihm der Jesuit Jean-Blaise Fellay und der Philosoph Michel Siggen (LCC) gegenüber.

In dem inspirierenden Podiumsgespräch gaben die drei Teilnehmer jeweils ihre Perspektive auf den Film 'Particle Fever' und betteten diesen in ihr Weltbild ein. Zwischen den Vertretern aus Physik, Theologie und Philosophie wurden etliche Übereinstimmungen deutlich, aber durchaus auch verschiedene Einschätzungen etwa zu der Aussagekraft moderner Physik.

Die Veranstaltung endete mit einem Umtrunk, der Podiumsteilnehmern und Publikum einen ungezwungenen Austausch ermöglichte. Eingeladen dazu hatte die Schulleitung des LCC in der Person von Prorektor Christian Wicky, der die Doppelveranstaltung an seiner Schule von Beginn weg tatkräftig unterstützt hatte.

Benedikt Vogel (veröffentlicht 28. 09. 2015)

  • Bis auf den letzten Platz besetzt: Über 400 Schülerinnen und Schüler des LCC folgen der Podiumsdebatte zu 'Particle Fever'.
  • Marc Turiault moderierte das Gespräch mit der CERN-Physikerin Johanna Gramling und dem Philosoph Michel Siggen.
  • Die Heidelberger Physikerin Johanna Gramling (27) arbeitet am ATLAS-Experiment des CERN und schreibt zur Zeit ihre Doktorarbeit im Bereich Schwarze Materie und Supersymmetrie.
  • Michel Siggen unterrichtet am LCC Philosophie und hat sich in seiner Karriere immer wieder mit wissenschaftsphilosophischen Fragestellungen befasst.
  • Unter der Leitung von Elisabeth Chardon ('Le Temps') diskutierten (v.l.n.r.) der Teilchenphysiker Olivier Schneider, der Theologie Jean-Blaise Fellau und der Philosoph Michel Siggen.
  • Das Podium zu 'Particle Fever' ermöglichte den Austausch über die Fachgrenzen hinweg.
  • Olivier Schneider (hier mit Elisabeth Chardon) erforscht am LHCb-Experiment des CERN-Teilchenbeschleunigers unter anderem den Unterschied zwischen Materie und Antimaterie.
  • Bis auf den letzten Platz besetzt: Über 400 Schülerinnen und Schüler des LCC folgen der Podiumsdebatte zu 'Particle Fever'.Image: B. Vogel1/7
  • Marc Turiault moderierte das Gespräch mit der CERN-Physikerin Johanna Gramling und dem Philosoph Michel Siggen.Image: B. Vogel2/7
  • Die Heidelberger Physikerin Johanna Gramling (27) arbeitet am ATLAS-Experiment des CERN und schreibt zur Zeit ihre Doktorarbeit im Bereich Schwarze Materie und Supersymmetrie.Image: B. Vogel3/7
  • Michel Siggen unterrichtet am LCC Philosophie und hat sich in seiner Karriere immer wieder mit wissenschaftsphilosophischen Fragestellungen befasst.Image: B. Vogel4/7
  • Unter der Leitung von Elisabeth Chardon ('Le Temps') diskutierten (v.l.n.r.) der Teilchenphysiker Olivier Schneider, der Theologie Jean-Blaise Fellau und der Philosoph Michel Siggen.Image: B. Vogel / B.Vogel5/7
  • Das Podium zu 'Particle Fever' ermöglichte den Austausch über die Fachgrenzen hinweg.Image: B. Vogel6/7
  • Olivier Schneider (hier mit Elisabeth Chardon) erforscht am LHCb-Experiment des CERN-Teilchenbeschleunigers unter anderem den Unterschied zwischen Materie und Antimaterie.Image: B. Vogel7/7

Categories

  • Elementary particles
  • Particle Physics